Tulpenkrimi

29.04.2020

Aus einem Frühlingsstrauß ist sie heute nicht wegzudenken. Doch wie wurde die Tulpe zur Nationalblume Hollands und zum Gegenstand eines Börsen-Krimis?

Ein Dinner mit Folgen: Ein holländischer Seemann ist zu Beginn des Jahres 1637 bei einem Freund zum Fischessen eingeladen. Die Tulpenzwiebel auf dem Tisch wertet er als Beilage und verspeist sie. Ein fatales Missverständnis mit Folgen. Denn zu keiner Zeit waren Tulpenzwiebeln wertvoller. Der Gastgeber hatte die Zwiebel als Zeichen seines Reichtums herzeigen wollen. Ist das gute Stück doch umgerechnet rund 25 000 Euro wert. Auch dem Seemann schlägt sein Irrtum auf den Magen. Tulpenzwiebeln sind giftig, rufen Erbrechen und Bauchkrämpfe hervor.

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Wie kam die Tulpe  zu  ihrem Namen?

Die Tulpe ist eine der beliebtesten Frühlingsblumen. Als Geophyte überdauert ihr wichtigster Teil im Boden. Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres aktivieren ihr Wachstum. Auf einige Blätter folgt ein Stängel, an dessen Ende sich eine Blüte ausbildet. Sie sitzt wie ein Turban auf dem Stängel. Der Ursprung für den Namen der Blume. Hierin steckt die türkische Bezeichnung für ihre Blütenform „Tülbent“. Nach der Blüte stirbt die Blütenzwiebel ab. Jedoch bilden sich neue Zwiebeln.

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Wie gelangte die Pflanze  nach Europa?

Die Tulpe stammt aus Mittel- und Zentralasien. Verschenkte man im mittelalterlichen Persien eine wild wachsende Tulpe, galt das als Liebeserklärung. Zunächst gelangt das Liliengewächs in die Türkei. Hier ist sie ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit und wird zur Nationalblume. In der Renaissance werden die ersten Tulpen nach Europa gebracht. Einer der ersten, der sie kultiviert, ist Charles de l’Ecluse, zuerst kaiserlicher Hofgärtner in Wien und später Professor an der Universität von Leiden. Mit ihm kommt die Tulpe nach Holland. Hier baut der Botaniker seine Tulpen an, will sie aber nicht verkaufen. Das macht die Blumen interessant.

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Wie entstand der Hype um die Tulpe?

Der Erzählung nach sorgen einige Diebstähle für die erste Verbreitung der Tulpe. Die Zwiebelpflanze wird ein Liebhaberobjekt. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ist Holland ein Zentrum der Tulpenzucht. Und die überrascht ihre Liebhaber immer wieder. So kann es sein, dass sie ganz unerwartet Form und Farbe änderte. Der Mosaikvirus macht aus normalen Blüten farbig geflammte mit gefransten Blättern. Damals wirkt das beinahe magisch. Überall gibt es Gruppen von Tulpenliebhabern, die untereinander Zwiebeln tauschen. Die Pflanze zu kultivieren gilt als schick. Zu den Liebhabern gehören Gelehrte, wohlhabende Bürger und auch Adelige. Zur Blütezeit lädt man einander zu kleinen, privaten Gartenausstellungen ein. Die Tulpe wird ein Statussymbol.

Holland ist Ende des 16. Jahrhunderts ein Zentrum des Handels. Kaufleute aus Amsterdam und Haarlem beherrschen den Ostindienhandel und die Seeräuberei. Es gibt viel Geld, das investiert werden muss. So entsteht ein Markt für die Tulpe, die erstmals kommerziell gehandelt wird. Allerdings bleibt sie ein knappes Gut. Zwar bildet die Pflanze nach der Blüte mehr als eine neue Zwiebel aus, mehr als zwei bis drei jedoch nicht. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Besonders die virusinfizierten Tulpen werden echte Wertobjekte.

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Was ist die Tulpenmanie?

Immer mehr steigt die Nachfrage in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts. Findige Händler gehen dazu über, nicht mehr die Blumenzwiebel zu verkaufen, sondern deren Abkömmlinge, die noch in der Erde sind. Solche Optionen werden zu Spekulationsobjekten, wechseln oft mehrfach am Tag den Besitzer. Die Aussicht auf schnelle Gewinne befeuert den Handel. Mitte der 1630er-Jahre nimmt der Wahnsinn seinen Lauf. Im Januar 1637 werden für drei Zwiebeln 30 000 Gulden geboten. Zum selben Preis könnte man drei der teuersten Häuser an einer Amsterdamer Gracht kaufen. Das kann nicht gut gehen. Und das geht es auch nicht.

Anfang Februar 1637 geschieht das Unglaubliche: Bei einer Auktion findet sich für eine Zwiebel kein Käufer. Erstmals. In den nächsten Tagen bricht der Tulpenmarkt zusammen. Am Ende stehen die Investoren da mit ihren Optionen. Nach der Tulpenblüte müssten sie die mittlerweile fast wertlosen Knollen zu horrenden Preisen abnehmen. Der Tulpenwahn endet in einem Börsencrash, der viele Investoren teuer zu stehen kommt.

Die Liebhaber aber sind noch da. Die jetzt günstige Tulpe wird vielerorts angepflanzt. Über die Jahrhunderte prägt sie das Bild des Landes. Die Blume ist ein Symbol für Holland geworden. Heute werden hier jährlich rund zwei Milliarden Tulpen gezogen.

Was benötigt die Tulpe damit sie nächstes Jahr wieder blüht?

Nach dem Abblühen ist längst nicht alles Leben aus den Tulpen gewichen. Gerade jetzt laufen die Prozesse für den Fortbestand innerhalb der grünen Pflanzenteile und der Zwiebel auf Hochtouren. Die Tulpe investiert jetzt sehr viel Energie in die Ausbildung der Samen, was für sie sehr kräftezehrend ist. Daher sollte die Blüte und Samenstände nach dem verblühen abgeschnitten werden. 

Nach dem Entfernen der Blüten kann sich die Pflanze auf das Wachstum von Tochterzwiebeln fokussieren. Das geht allerdings nicht ohne die noch grünen Blätter. Folglich macht es Sinn, Tulpen in zwei Etappen zu schneiden. Bei der Frage, ob man die Zwiebel anschließend ausgraben soll oder nicht, gehen die Meinungen auseinander, möglich ist beides.

Auch wenn es nicht danach aussieht, benötigt die Tulpe auch nach dem Entfernen der verwelkten Blüten noch etwa zwei Monate lang Pflege, um für die nächste Saison gewappnet zu sein. Dementsprechend düngt man die verbliebenen Pflanzenteile und versorgt sie direkt nach der Blüte mit etwas gesiebtem Kompost oder Hornspänen.

Für Tulpen im Topf oder Kübel bieten sich geeignete Flüssigdünger an, die man über das Gießwasser verabreicht. Es darf aber nicht zuviel gegossen werden, denn die Tulpenzwiebeln   bevorzugen   ohnehin     einen eher trockenen Boden.

Das Prinzip zum Schneiden von jeglichen Zwiebelpflanzen ist sehr einfach:

  • die verwelkte Blüte abschneiden, um die Verschwendung der Kräfte für die Samenbildung zu verhindern.
  • dann abwarten bis die Blätter gelb werden und danach ebenerdig abschneiden.